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Amateurfunk in den ISM-Bändern

War es 1990 noch ein Vergnügen, auf unseren Amateurbändern mit ISM-Status Amateurfernsehen zu betreiben, hat sich heute die Situation wesentlich verändert:

Explosionsartig vermehrten sich digitale Übertragungssysteme für kommerzielle und RF-Home-Anwendung mit einem Funkradius von bis zu einem Kilometer je nach Standort und Antenne. Private Internetanbieter okkupierten mehrere Kanäle und erhöhten die Reichweite (Feldstärke) durch „ Nachbrenner“ auf 100 Watt EIRP. Die Stilllegung solcher Systeme ist äußerst schwierig. Über sogenannte Accesspoints (Digipeater) werden ganze Orte mit Internet versorgt werden.  

Bei einem exponierten Fernsehumsetzer (z.B. XLL über der Stadt Linz) sind auf dem Bild ständig Störstreifen zu sehen. Bei sehr schwachen TV-Signalen ist auch die Synchronisierung des Bildes nicht mehr gegeben. Bandlineare Übertragungssysteme wie Analog- oder Digitalfernsehen mit einer Bandbreite von 18 Mhz sind der modernen Technologie unterlegen.  

Diese sogenannten Home-RF-Geräte sind mittlerweile auch als Ergänzung zu PC-Systemen in so großer Stückzahl verkauft, dass man annehmen muss, dass der ursprüngliche Zustand nicht mehr kommen wird. Die hier in Erscheinung tretende Betriebsart hat eine sehr ausgereifte Übertragungstechnik, welche verhindert, dass diese Sendeempfänger sich gegenseitig wesentlich stören. 
Mit der Begründung, dass diese Digitalsender ohnehin nur mit kleiner Leistung senden dürfen (Sender mit 30 mW steht im Nachbarhaus oder in der Nachbarwohnung ), werden die im Amateurfunk sichtbaren Störungen herabgestuft. Funkstörungen im ISM-Band werden bei Einhaltung der Bewilligungsvorgaben solcher Geräte von der Fernmeldebehörde laut § 11.4 nicht als solche anerkannt.  

Sind unsere schönen Bänder für unsere erst kürzlich geschaffenen Betriebsarten, wie ATV- oder Digitaltechnik, verloren ?  

Diese Überlegungen haben uns veranlasst, derartige auf dem Markt frei erhältliche, genormte Systeme auch für den Amateurfunk nutzbar zu machen. Nicht alle diese Systeme eigenen sich für Amateuranwendungen; Bandbreite, Modulationsart, Sendeleistung und Protokoll der Betriebsabwicklung müssen der Amateurfunkverordnung entsprechen.  

Zwei Systeme haben für den Amateurfunk den passenden Zuschnitt.  
a)    IEEE802.11b:  
Modulationsart = DSSS-Spreizkode-Variante DQPSK (in Verwendung bei analogem und digitalem ATV)  
Laut Amateurfunkverordnung Modulationsart G1D (Phasenmodulierte I/Q – Träger ohne Verwendung eines modulierten Hilfsträgers, Bandbreite < 1 Mhz)  
Je nach Feldstärke 1 – 11Mbit/s Datendurchsatz  

b)    IEE802.11g:  
Modulationsart = OFDM (QPSK-modulierter Haupt- u. Nebenträger)  
Laut Amateurfunkverordnung Modulationsart G2D   
Je nach Feldstärke bis zu 108 Mbit/s Datendurchsatz  

Das Protokoll IEE802.11 ist im wesentlichen aufgebaut auf dem Protokoll X25 (bisheriger Packetradiobetrieb). Der wesentliche Vorteil dieses neuen Protokolls ist das sogenannte Frequenzhopping-Verfahren, d.h., ist die momentane Sendefrequenz schon belegt, sucht sich das Programm unter Beachtung eines bestimmten Programmmusters eine neue freie Frequenz. Der Transfer eines Paketes dauert ca. 100 m/sec.  

Mit dieser Technologie können mehrere Systeme gleichzeitig einen Kanal belegen.Wir können daher wieder fast störungsfrei die ISM-Bänder gemeinsam mit den privaten Anwendern benutzen. Um den gesetzlichen Vorschriften zu entsprechen, müssen wir vorsorgen, dass nur Amateure unsere Digipeater benützen können; dies geschieht über die im Protokoll schon vorhandene Access-Control (SSID(Rufzeichen)+MAC-Adresse). Damit entsprechen wir § 3Z9 Telekommunikationsgesetz 2003.  

OE5XLL hat als multifunktioneller Amateurfunkumsetzer bereits in dieser geänderten Packetradio-Betriebsart erfolgreich Probebetrieb gemacht.  

Alle auf dem Markt befindlichen Wireless-LAN-Geräte haben eine zu geringe Absenkung der Nebenträger. Um die im Amateurfunk erlaubte Sendeleistungsgrenze ausschöpfen zu können, sind entsprechende Filter notwendig. Ein Vorverstärker im Empfangszweig sorgt für das ausgewogene RX-TX-Verhältnis. Reichweiten sind wie in der Betriebsart ATV möglich.  
Wie im kommerziellen Internet können dann auch in unserem hoffentlich bald zustande kommenden Radioamateur-Netz alle IP-Möglichkeiten genutzt werden. Wir können die von der Industrie angebotene Hard- und Software nutzen und brauchen aufgrund der EN-Normen keine eigene Bewilligung.  

ADL 516 wird im kommenden Jahr das neue Umsetzersystem in einer Veranstaltung vorstellen und alle Mitglieder des Versuchsenderverbandes bitten, mitzumachen. 

OE5MKL oe5mkl-at-aon.at  
Karl
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